Das Bauch-Hirn – gibt es das wirklich?

Es gibt viele Lebensmittel, denen nachgesagt wird, dass sie eine positive Wirkung auf unseren Körper und vor allem auf unser Gehirn haben. Nüsse sollen unsere Intelligenz fördern und Schokolade uns glücklich machen. Kann die Auswahl unserer Nahrungsmittel wirklich unser Gehirn beeinflussen?

So einfach ist es dann doch nicht. Die Darmmikrobiota kann weder unsere Emotionen oder Entscheidungen, noch unser Gehirn steuern. Allerdings ist es ihr möglich, Einfluss auf unsere Stimmung zu nehmen, denn unser Bauch-Hirn steuert, wie wir Situationen wahrnehmen oder ob wir depressionsanfällig sind. So entscheidet der Bauch, ob wir ängstlich oder mit Stress auf eine Situation reagieren. Forscher nehmen an, dass das Bauch-Hirn mit Neurotransmitter Signale über die Darmwand direkt zum Gehirn sendet. Durch das Immunsystem nimmt die Darmmikrobiota ebenfalls Einfluss auf die Psyche und ist eventuell sogar behilflich neue Synapsen im Gehirn zu bilden.

Aufgrund dieser Erkenntnisse ist es bereits möglich, Alzheimer-erkrankten Personen etwas ihrer geistigen Leistungsfähigkeit zurück zu holen. Durch gewisse Lebensmittel wird eine höhere Artenvielfalt an Darmbakterien produziert, wodurch die kognitive Leistungsfähigkeit verbessert wird. Im Beispiel der Alzheimer-Patienten wären, laut einer aktuellen Studie, verschiedene Nussarten wie Mandeln, Walnüsse und Haselnüsse die passenden Nahrungsmittel um eine Steigerung der geistigen Leistungsfähigkeit zu erzielen.

Durch Stimmungsaufheller, wie Serotonin oder Dopamin, die im Bauch-Hirn ankommen, kann die Stimmung beeinflusst werden. Schokolade ist allerdings kein guter Lieferant für diese Stoffe, um eine körperliche Reaktion auslösen zu können, müsste man bald 300 Tafeln essen. Es handelt sich eher um ein Belohnungsmechanismus, der im Körper ausgelöst wird. Als „Gute-Laune-Nahrungsmittel“ werden Walnüsse, Avocados, Bananen, Pflaumen oder Tomaten empfohlen, da diese die Vorstufe von Serotonin enthalten – Tryptophan. Dies kann nicht vom Körper produziert werden und muss über die Nahrung aufgenommen werden. Dieses wird im Darm zu Serotonin verwandelt, denn der Darm ist für die Produktion eines Großteils des Serotonins im Körper verantwortlich.

Es geht natürlich auch in die andere Richtung: Fast Food in Massen kann unsere Stimmung negativ beeinflussen und sogar zu psychischem Ungleichgewicht führen. Fast Food enthält viel Fett und Zucker, dafür fehlt es an Nährstoffen, diese verarbeiteten Lebensmittel können Entzündungen auslösen bzw. fördern. Einfach erklärt, wird durch den Abwehrmechanismus der Darmbakterien in den entsprechenden Abwehrzellen entzündliche Botenstoffe produziert, die Zytokine. Über diese Botenstoffe wird die Entzündung im ganzen Körper, und eben auch im Gehirn, verteilt. Hieraus können Erkrankungen wie Antriebslosigkeit, Erschöpfung oder Appetitlosigkeit entstehen. Aufgrund des entzündeten Darms ist es ebenso möglich, dass eine Depression oder Angstzustände auftreten. Dieser Entzündungsprozess wird auch von Bauchfett ausgelöst, was es so gefährlich macht, denn dieses ist hormonaktiv und schüttet Zytokine aus.

Um auf die Frage des Titels zurück zu kommen: Ja das Bauch-Hirn gibt es! Es ist wichtig das Bauch-Hirn mit den richtigen Lebensmitteln zu füttern, damit es uns körperlich, seelisch und geistig gut geht. Daher sollte man auf Fast-Food und zuckerhaltige Getränke im Übermaß verzichten, da diese das Depressionsrisiko erhöhen. Auch gesalzenes, gepökeltes oder gerauchtes Fleisch steht, laut aktuellen Studien, unter Verdacht den Darm negativ zu beeinflussen. Dafür dürfen diese Lebensmittel für eine seelisch, körperlich und geistige gute Laune nicht fehlen: Fermentierte Lebensmittel, wie zum Beispiel Sauerkraut oder Joghurt, begünstigen aufgrund des hohen Anteils an probiotischen Milchsäurebakterien, eine gesunde Darmflora. „Mood-Booster“ sind unter anderem Sojabohnen, Edamer oder Cashewkerne, aber auch Haferflocken, Huhn oder Speisequark puschen die gute Laune. Nüsse mit reichlich Nährstoffen fördern ebenso die Darmmikrobiota, Mandeln, Walnüsse und Haselnüsse eignen sich hierzu.